SWINGER 2018

ZOO/Research, Art Projects

Description


11. Juli 2018

Ausstellung im Bärenzwinger Berlin 19.05.-01.07.2018

Im Rahmen des Aussstellungsprogramms
www.baerenzwinger.berlin
V. „Architekturen der Segregation“

SWINGER – Kerstin Honeit und Pätzug / Hertweck
kuratiert von Stefan Aue, Anne Hölck und Jessica Páez

Der Bärenzwinger ist ein Ort des Übergangs und der Transformation. Ausgelöst durch den Protest von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen wurde das Gebäude 2015, nach dem Tod von der letzten im Zoogehege gehaltenen Bärin Schnute, selbst von den zuständigen Behörden der Stadt Berlin nicht mehr als geeignet für die Haltung von Tieren empfunden. Es begann ein Prozess, der den Ort in Bewegung versetzt hat und mit neuen Bedeutungen auflädt. Als Kunstraum des Bezirksamts Mitte reflektiert er seit 2017, welche Formen neuer Wissensproduktionen über Tier-Mensch-Beziehungen dort in Zukunft entstehen können.
Die Ausstellung »Swinger« beschäftigte sich mit der Frage, wie (Zoo)Architekturen Begegnungen und Bewegungen zwischen Menschen und Zootieren konstruieren: Sie wurden im Bärenzwinger durch Mechanismen perfekt reguliert: Gittersysteme bestimmten die Wege der Tiere, Pfleger*innen haben sie bedient und so die Szenerie in den Außengehegen für den Blick der Besucher*innen aufrecht erhalten. Der Innenraum ist nun für die Besucher*innen zugänglich.
Das Künstler-Duo Pätzug/Hertweck installierte mit der Arbeit »Pagodenwackeln«
im Bärenzwinger einen großformatigen Vorhang, der sich durch den Innen- und Außenraum bewegt und schwingend die Gitter und Türen des Zwinger überwindet. Dabei werden immer wieder neue Beziehungen und Konstellationen zwischen
Besucher*innen und dem Innen- und Außenraum provoziert und die Grenzen zwischen Subjekten und Objekten verschoben. Kerstin Honeits Video-Arbeit »Panda Moonwalk or Why Meng Meng Walks Backwards« widmet sich dem Protest der Panda-Bärin Meng Meng gegen die Situation ihrer Haltung im Zoo Berlin und setzt sich mitihrem Widerstand und anderen Formationen protestierender Körper auseinander, die sich als Bewegungen im öffentlichen Raum artikulieren, um soziale
Missstände zu bekämpfen.

www.kerstinhoneit.com
www.paetzughertweck.de

 

Zur Finissage luden wir ein:

Stefanie Wenger mit dem Vortrag

Against Aboutness oder: ›Wie nicht sprechen‹

Der Anthropologe Martin Holbraad fragte ›Can the thing speak?‹ und eröffnete damit den nicht endenden Reigen von Texten, die sich in der Tradition Spivaks mit der Frage befassten, ob die Subalterne sprechen könne. Das Politische in der Kunst handelt oft genug genau davon, zur Sprache zu bringen, was nicht vorkommt im hegemonialen Sprechen. Was aber, wenn Sprache nicht das geeignete Mittel wäre, auch wissenschaftliche Sprache nicht, höchstens Poesie? Was wenn Sprache selbst das Problem ist, der gesuchte Übeltäter, dem nur beigekommen werden kann, indem gesagt wird, was sprachlich nicht ausgesagt werden kann? Wenn etwas eben nicht über etwas ist, sondern mit etwas?

Stefanie Wenner ist Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft und Produktionsdramaturgie an der HfBK Dresden und arbeitet an besseren Darstellungen von Wirklichkeit.